Junk Food für`s Hirn!
Früher, ..... ach du meine Güte, und schon bin ich beim „Früher“ gelandet. Und darum geht es doch eigentlich gar nicht. Oder vielleicht doch?
Sei`s drum. Denn es ist eigentlich noch nicht so lange her, dass ich ein Buch nach dem anderen gelesen habe. Heute lasse ich mich eher von den Hörbüchern berieseln. Das ermöglicht es mir, mich währenddessen, also zeitgleich mit anderen Dingen zu befassen.
Nach meiner Meinung ist das aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber halt besser als nichts. Jeder Sprecher in diesen Büchern ist eine Type für sich und gibt so den Protagonisten, den geschilderten Stimmungen und Handlungen einen eigenen unnachahmlichen Charakter. Und so kommt es, dass man das nächste Buch nicht unbedingt nach Handlung und nach dem Schriftsteller, sondern nach dem vortragenden Sprecher aussucht. So wie man es halt bei Filmen und mit beliebten Schauspielern macht. Dabei wird allerdings die eigene Phantasie stark zurückgefahren. Alles ist irgendwie als Junk-Food für`s Hirn vorgefertigt und lässt es so erst zu, dass man nebenher noch etwas anderes machen kann.
Das soll in keinster Weise die Leistungen der Sprecher schmälern, denn sie haben alle meine Hochachtung für das, was sie da in dieser Qualität und Güte vortragen und durch ihre eigene Phantasie und Können zum dem Leben erwecken, sodas es in meinem Gehirn schnell verarbeitet werden kann.
Ich habe im Laufe meines Lebens tausende von Büchern gelesen, durchstöbert und überlesen. Sicher ist von den Inhalten einiges im Hirn verblieben. Doch nichts ist mir wirklich präsent und lässt sich einfach zuordnen. Vielmehr scheint es da so etwas wie ein großes Sieb zu geben, durch das alles, was andere abrufen können und sie mir sofort zu einem Roman und seiner Handlung sagen können, durchgerieselt ist. So kommt es, dass ich einige Bücher im Laufe der Jahre, mit einigem Abstand mehrfach gelesen habe. Das war auch gut so, denn sie waren es Wert mehrfach gelesen zu werden.
Aber dieses selektive Alzheimer ist seit frühester Jugend nicht nur auf Bücher beschränkt. Immer wieder wundere ich mich, wenn andere aus ihrer Kindheit detailliert berichten können und ich nur einige wenige irgendwie herausragende Ereignisse präsent habe.
Aber das ist ein anderes Kapitel.
Es gibt zwar immer noch einige hundert Bücher im Haus, doch das Lesen fällt mir trotz aller Zeit, die man als Rentner hat, mehr als schwer. Oder bin ich einfach zu bequem geworden? So bequem, wie in anderen Dingen auch.
Wieder ein anderes Kapitel.
Die Hörbücher sind zwischen wenigen Stunden und teilweise mehrere Tage lang. Und wie ich vor kurzem erfahren habe, waren es in knapp 2 Jahren über 500 Titel, die durch das Hirnsieb gerauscht sind. Nur wenige, haben bleibende Erinnerungen oder bewusste Spuren hinterlassen. Was nicht heißt, dass sich nicht bei bereits gehörtem oder gelesenem, ein Widererkennen einstellt und ich entweder fortfahre, oder sie abbreche. Je nach Erinnerungsgrad, Vorliebe oder Abneigung und Tagesform.
Schon wieder ein neues Kapitel.
Oft lausche ich ihnen am Abend, in dem irrigen Glauben, dadurch besser einschlafen zu können. Aber das klappt heute genauso wenig, wie früher als Kind, als ich mir vormachte, ein spannendes Buch einfach beiseitelegen zu können. Das hat dann oft zu langen, durchlesenen Nächten geführt.
Heute nervt es mich geradezu, wenn ich nicht im Hintergrund einer Handlung lauschen kann. Manchmal muss ich dazu z.B. die Dunstabzugshaube ausschalten, damit die mir nicht das Geschehen „verrauscht“.
Vielleicht geht es Ihnen ja auch so?
© HJB 2024
Fragt man Google nach Junk Food für`s Hirn, so soll das schlecht für die Ohren sein, da der Konsum das Risiko für Hörverlust und Tinnitus erhöht.
Ob das im Zusammenhang mit meinem Hörbuchkonsum, auch bedenklich ist, oder ob die KI da mal wieder was falsch verknüpft hat?.